GELD & RECHT

Niedrige Bauzinsen: Chance oder Gefahr?

Glücklich in den eigenen vier Wänden: Trotz niedriger Bauzinsen ist Vorsicht geboten
Foto: DJD/dena

Die Bauzinsen haben sich auf einem historisch niedrigen Niveau eingependelt. Trotz oder gerade wegen der Europäischen Wirtschaftskrise wollen viele in das vermeintlich sichere Betongold investieren. Hatte die Finanzkrise 2008 und 2009 noch die Investitionslust gebremst, so mussten Immobilienkäufer in den Jahren 2010 und 2011 insgesamt rund 7,5 Prozent mehr Geld auf den Tisch legen. „Erstmals seit der Wiedervereinigung ist ein konjunktureller Aufschwung mit einer markanten Preisreaktion auf den Häusermärkten verbunden“, beobachten die Volkswirte der Deutschen Bundesbank.

 

BAUIDEE nennt in der Januar/Februar-Ausgabe 2013 Chancen und Risiken der histroisch niedrigen Bauzinsen. Damit Sie auch sicher in die Altersvorsorge "Eigenheim" investieren.

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Dieter Jurgeit, Vorsitzender der PSD Bank Nord
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Auch für Dieter Jurgeit, den Vorstandsvorsitzenden der PSD Bank Nord, ist es wichtig, dass potenzielle Bauherren und Haus- und Wohnungskäufer sich beim Erwerb Ihrer Traumimmobilie finanziell nicht übernehmen. Lesen Sie hier das ausführliche Interview mit dem Finanzierungsexperten zum Thema "Niedrige Bauzinsen - Chance oder Gefahr?".

 

Kauf-Boom in Deutschland. Spüren Sie etwas davon?

Ja, eindeutig. Infolge des anhaltenden niedrigen Zinsniveaus ist die Kunden-Nachfrage nach wie vor sehr hoch bei uns. Insbesondere das Plattform-Geschäft boomt, da wir dort zu den günstigsten Anbietern gehören. Inzwischen interessieren sich auch Kunden für Immobilien, die dies vor einigen Jahren noch nicht getan haben. 

In den Ballungszentren Hamburg und Bremen werden insbesondere Eigentumswohnungen und in den ländlichen Bereichen vermehrt Bestandsimmobilien nachgefragt.

Sehr erfreut und interessiert sind unsere Kunden, wenn wir sie in der aktuellen Situation bei ihren laufenden Finanzierungen darauf ansprechen, sich jetzt schon den Zinssatz für später zu sichern. Dieses Angebot bieten wir unseren Kunden bereits drei Jahre vor dem eigentlichen Zinsauslauf an. Aktuell merken wir deutlich, dass unsere Kunden zur eigenen Sicherheit das Angebot gerne annehmen.

 

Historisch niedrige Bauzinsen: Wie lange noch?

Eine langfristige Prognose abzugeben ist natürlich Kaffesatzleserei. Aber ich denke, dass der Markt angesichts der aktuellen Rahmenbedingungen im kommenden Jahr keine gravierenden Zinssteigerungen sehen wird, sondern eher moderate Seitwärtsbewegungen.

 

Niedrige Bauzinsen: Insgesamt eine günstige Gelegenheit oder eher eine Gefahr?

Insgesamt überwiegen die Chancen. Deutschland ist bis dato ein Land der Mieter. Das günstige Zinsniveau ermöglicht nun auch dem vermeintlich „kleinen Mann“ zum selbstgenutzten Wohneigentum zu kommen. Bereits ab 500 Euro monatlich kann der Traum von den eigenen vier Wänden wahr werden.

Die Kehrseite der Medaille ist, dass die Preise für Immobilien insbesondere in den Ballungszentren extrem steigen und dort bereits Mondpreise gezahlt werden. Aber in ländlicheren Regionen ist es weiterhin möglich, "viel Haus für wenig Geld" zu bekommen.

 

Was sollte ich bei den aktuell niedrigen Bauzinsen unbedingt beachten?

Wichtig ist, dass Kaufinteressierte jetzt nicht übereilt handeln, sondern gemeinsam mit dem Berater analysieren, ob die Entscheidung durchdacht ist. Passt die Immobilie zu meinen Lebensumständen? Stimmen die Rahmenbedingungen? Passt das Finanzierungskonzept? Nur wenn diese Fragen mit einem „Ja“ beantwortet werden, sollte gekauft oder gebaut werden. 

Unbedingt empfehlenswert ist es, sich in der aktuellen Situation eine höhere Tilgung als die Standardtilgung in Höhe von 1 Prozent zu gönnen. Denn so verkürzt sich die Darlehenszeit. Wir raten unseren Kunden derzeit zu einer Tilgung in Höhe von 2 bis 3 Prozent. 

Zusätzlich sollten sich Kunden die Zeit nehmen, mehrere Bank-Angebote zu vergleichen und Modellpläne für ein Finanzierungskonzept zu erstellen. Nicht das günstigste Angebot sollte ausschlaggebend sein, sondern das beste Preis-Leistungsverhältnis.

 

Welche Zinsbindungsfrist sollten Kaufwillige wählen? Zehn, 15 oder 20 Jahre?

Derzeit gibt es angesichts des niedrigen Zinsniveaus nur eine Devise: Je länger desto besser. Unsere Kunden bevorzugen derzeit Festzinsschreiben von zehn Jahren, da sie bei den Konditionen flexibel sein wollen. Aber selbst Kunden, die sich noch länger binden wollen, haben nach zehn Jahren ein gesetzliches Kündigungsrecht.