GELD & RECHT

Baufinanzierung: Flucht in Sachwerte

Foto: Thorben Wengert / pixelio.de
Foto: Thorben Wengert / pixelio.de

Auch wenn kein Ende der Euro-Schuldenkrise in Sicht scheint, tut das der Kauflust der Deutschen keinen Abbruch. Ganz im Gegenteil, wie die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) jüngst belegte: Beflügelt vom gestiegenen Vertrauen in den Arbeitsmarkt, dem gleichzeitig fehlenden Vertrauen in die Finanzmärkte und einem sehr niedrigen Zinsniveau neigen viele Bundesbürger dazu, in Sachwerte zu investieren. Und das sind in der Regel werthaltige Anschaffungen wie zum Beispiel der Kauf oder der Bau eines Hauses – landläufig als die Investition in „Beton-Gold“ bezeichnet. Bevor dieser Traum jedoch wahr wird, gilt es, die Finanzierung zu schnüren.

 

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Der Traum vom Eigenheim - so günstig wie noch nie

 

Im Durchschnitt beläuft sich der Effektivzins bei einer Baufinanzierung derzeit auf unter 3% (Stand: Oktober 2012). Noch vor zehn Jahren kostete Baugeld mit einer zehnjährigen Zinsbindung mit 6,04 % mehr als doppelt so viel. Nicht zuletzt deshalb denken viele Bundesbürger momentan über eine eigene Immobilie nach. Doch hierbei gilt es einige Punkte zu beachten. Darauf weist die PSD-Bank Nord hin, deren Baufinanzierungsexperte Dirk Bodensiek bei BAUIDEEonline die wichtigsten Aspekte nennt:

 

 

Individualität: Passt meine Traumimmobilie zu meinen Lebensumständen? Passt die Infrastruktur zu
den eigenen Anforderungen? Was sind meine genauen Wünsche und Vorstellungen der
Finanzierungsraten? „Ein Finanzierungskonzept für das Bauvorhaben ist genauso individuell wie die
Gestaltungswünsche des Eigenheims und sollte wie ein Maßanzug passen. Daher ist eine intensive
Beratung und gemeinsame Konzeption der Finanzierung mit dem Expert ratsam“, so Dirk Bodensiek.


Eigenkapital: Ein hoher Anteil von Eigenkapital für das Finanzierungsvorhaben ist nach wie vor
wichtig. „Grundsätzlich empfehlen ich mindestens 20 Prozent der Finanzierungssumme in Form von
Eigenkapital zur Verfügung zu haben. Als Faustregel für die monatliche Belastung empfehle ich
meinen Kunden, dass rund 40 Prozent des monatlichen Nettoeinkommens frei verfügbar sein sollten,
um finanziellen Spielraum für den einen oder anderen Wunsch zu erhalten“, rät der Experte.


Keine Angst vor langer Bindung: „In der aktuellen Niedrigzinsphase empfehle ich meinen Kunden
eine Zinsfestschreibung von mindestens 10 Jahren“, erklärt Bodensiek. Aber selbst Kunden, die sich
länger binden möchten, haben nach 10 Jahren die Möglichkeit, die Zinsbindung mit einer Frist von 6
Monaten zum Ablauf zu kündigen und neu zu verhandeln.


Vergleichen hilft sparen: Ein Preisvergleich zahlt sich aus: „Wer mit dem Gedanken spielt eine
Immobilie zu kaufen und eine Finanzierung braucht, sollte sich genügend Zeit nehmen Angebote zu
vergleichen und Modellpläne für ein Finanzierungskonzept zu erstellen.“

Nebenkosten beachten: Oftmals können Zusatzkosten in Höhe von 10 Prozent entstehen. Dies sind
Erwerbskosten, die neben dem verhandelten Kaufpreis anfallen. Darunter fallen unter anderem die
Grunderwerbssteuer, die Gebühren für den Notar und die Kosten für den Grundbucheintrag. Diese
Kosten müssen von Beginn an mit eingeplant werden.

 

Sondertilgungen wahrnehmen: In jedem Fall sollte es möglich sein, jährliche Zusatzzahlungen leisten zu können, um das Darlehen schneller zurückzuführen. Bei vielen Banken können diese individuell ausgehandelt werden.


Nicht nur auf die niedrigste Kreditrate achten: Das aktuelle Zinstief bringt nicht nur Vorteile mit sich.Extrem niedrige Bauzinsen ermöglichen sehr kleine Kreditraten. Der finanzielle Vorzug hat den
Nachteil, dass die niedrigen Zinsen die Finanzierung extrem in die Länge ziehen. „Standardfinanzierungen mit einem Prozent Anfangstilgung benötigen derzeit mehr als 40 Jahre bis
zur vollständigen Schuldenfreiheit. Es empfiehlt sich daher, die individuelle Finanzierung so
einzustellen, dass die finale Tilgung spätestens mit Eintritt in den Ruhestand endet. In der aktuellen
Zinsphase empfiehlt sich eine Regeltilgung in Höhe von 2 bis 3 Prozent“, rechnet Bodensiek vor.

 

Zusagegeschwindigkeit- und Abwicklungsqualität: Zeit ist Geld! Gewiss, eine gute und fundierte
Beratung sowie exzellente Konditionen sind wichtige Kriterien bei der Auswahl des richtigen
Finanzierungspartners. Wichtig ist aber auch, wie schnell der Kunde eine Baufinanzierungszusage und
seine Verträge erhält. Denn insbesondere in den Ballungszentren sind Bauplätze und Immobilien
derzeit heiß begehrt. Und da bekommt meist derjenige den Zuschlag, dessen Finanzierung zuerst
steht. „Auf diese Entwicklung haben wir reagiert. Das bedeutet, Kunden, die direkt beim
Beratungsgespräch alle erforderlichen und vollständigen Unterlagen dabei haben, erhalten bei uns
innerhalb von 24 Stunden ihre Finanzierungszusage.“


Fördermöglichkeiten: Insbesondere die Programme der KfW-Förderbank sind für viele Bauherren
interessant. Vor allem umweltbewusste Häuslebauer haben oft Anspruch auf zinsverbilligte KfW-Darlehen und Zuschüsse, die eine Finanzierung insgesamt billiger machen. Die KfW-Förderungen können Sie allerdings nicht selbst beantragen, sondern nur über Ihre Bank oder Bausparkasse. Es lohnt sich auch in der Gemeinde nach Förderungsmöglichkeiten zu fragen, denn oft haben Kommunen eigene Programme, zum Beispiel für Familien. Einen Überblick über alle Fördermöglichkeiten, die für den eigenen Wohnort in Frage kommen, bietet die Datenbank www.foerderdata.de.

 

Quelle: PSD Bank Nord

Hinweis: Welche Chancen, aber auch Risiken sich durch niedrige Bauzinsen ergeben, lesen Sie in der BAUIDEE Nr. 1_2013, die am 12. Dezember 2012 erscheint.