AUSSTATTUNG

Elektroinstallation: Jetzt sind Sie am Drücker

Foto: Siemens
Foto: Siemens

Wer ein Haus plant oder einer grundlegenden Sanierung unterzieht, muss sich an einem bestimmten Punkt mit der Elektroinstallation des Gebäudes auseinandersetzen. Dabei gilt es, die persönlichen Bedürfnisse zu ermitteln, um am Ende über eine bedarfsgerechte Elektroinstallation zu verfügen. Doch was heißt „bedarfsgerecht und woher weiß man von vorneherein, wo am Ende alle Schalter und Dosen im Haus sitzen sollen? „Eine gute Elektroinstallation soll dem Anwender zunächst einmal die Möglichkeit bieten, seine Geräte dort anzuschließen, wo er sie benutzen will“, erklärt Hartmut Zander, Projektleiter der Initiative Elektro+, die Bauherren in diesem Bereich unabhängig informiert.

 

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BAUIDEE Nr. 3_2012 ganz bequem
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Fotos: Somfy, Gira, Schneider, Siedle

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Jean-Phillippe Faure
Jean-Phillippe Faure

"Smart Grids verändern unsere Häuser"

 

Jean-Phillippe Faure, Vorsitzender der IEEE-SA Arbeitsgruppe, erklärt in der aktuellen Ausgabe der BAUIDEE den Nutzen sogenannter Smart Grids. Exklusiv für die Leser von BAUIDEE online veröffentlicht die Redaktion das vollständige Interview.

Herr Faure, welche Auswirkungen hat die Smart Grid-Entwicklung in Zukunft auf unsere Häuser?

 

Das Konzept Smart Grid, also intelligenter Netze und Infrastruktur, betrifft eine ganze Reihe von Optionen mit deren Hilfe Energiedienstleister, Endkunden und elektronische Geräte in Zukunft intelligenter miteinander interagieren und kommunizieren können. Sowohl für Geschäftsgebäude als auch für private Wohnungen und Häuser wird dieses Konzept viele Optionen für eine intelligente Energieverwaltung bieten. So kann durch die Interaktion mit Energieanbietern oder durch die selbständige Regulierung eines eigenen Heizsystems der Energieverbrauch gesenkt werden. Unabhängige Energiesysteme, wie beispielsweise Solarsysteme, können intelligenter in die Netze integriert werden. Auf diese Weise können Energiesystembesitzer zu einem sehr profitablen Preis überschüssige Energie dem Stromnetz zuführen, wenn sie mehr produzieren, als sie tatsächlich verbrauchen. Dieses Beispiel zeigt, dass das Smart Grid-Konzept unsere Häuser in einigen Punkten bereits erreicht. Dieser ganze Themenkomplex wird oft als Smart Home bezeichnet.

 

 

Was beinhaltet ein Smart Home-Konzept?

 

Smart Home-Konzepte sprechen viele Bereiche an. Ein derzeit intensiv diskutiertes Thema ist die Integration von Energiequellen wie Solar-, Geothermal- oder Pellet- Heizsysteme, die Hausbesitzer unabhängiger von Energielieferanten machen. Außerdem schließt das Konzept die Energieverwaltung und entsprechende Einsparungen ein, die ich bereits erwähnt habe. Darüber hinaus befasst sich der Bereich Smart Home mit dem Management von Geräten und Anlagen im Haus. Ein Beispiel hierfür wäre das Programmieren der Beleuchtung – beispielsweise ein automatisches An- und Ausschalten von Licht, um das Haus vor Einbrechern zu schützen, wenn die Familie im Urlaub ist. Die Kontrolle der Geräte kann durch Power Line Kommunikation (PLC) unterstützt werden. Diese Technologie nutzt die regulären Stromleitungen im Haus und überträgt über diesen Kanal zusätzliche Informationen und Befehle. Die Beleuchtung und Geräte können so kontrolliert und angesteuert werden, ohne zusätzliche Leitungen installieren zu müssen; es werden lediglich Adapter in Steckdosen gesteckt. Diese Technologie kann auch genutzt werden, um Geräte wie Computer, Peripheriegeräte, TV- und Stereoanlagen etc. miteinander zu verbinden. Der Adapter in der Steckdose stellt dazu eine Ethernetverbindung zum bestehenden Stromnetz im Haus her. Das ermöglicht den Geräten den Austausch von Daten ohne umständliche Netzwerkkabel. So kann man z.B. HDTV-Videos vom Computer im Arbeitszimmer zum TV im Wohnzimmer übertragen, TV-Sendungen von einem Fernseher auf einen Bildschirm in einem anderen Raum oder Dateien über einen Netzwerkdrucker ausdrucken, der einfach nur an eine Steckdose angesteckt ist.

 

 

Welche Smart Home-Möglichkeiten können Hausbesitzer schon heute realisieren?

 

Die Integration einer unabhängigen, überwiegend umweltfreundlichen Energiequelle ist schon sehr beliebt und ein Trend, der meiner Meinung nach in Zukunft wachsen wird. Es gibt außerdem schon viele Zeitschaltoptionen, um z.B. Heizungen zu kontrollieren, damit die Temperatur heruntergefahren wird, wenn die Familie in der Arbeit oder in der Schule ist und wieder auf eine vorher festgelegte Temperatur steigt, bevor die Familie zurück kommt. Das kann entweder für das komplette Haus oder für einzelne Räume eingerichtet werden. Auch das PLC-Konzept ist seit einiger Zeit im Umlauf und wird zunehmend beliebter, da es nicht nur für Unterhaltungsgeräte, Video, Musik etc. eingesetzt werden kann, sondern auch zur Gerätesteuerung und zum Energiesparen beiträgt.

 

 

Sollte man in dieser Beziehung heute etwas berücksichtigen, wenn man ein Haus baut?

 

Wenn man sich die steigenden Energiepreise und die Vorteile von erneuerbaren Energien ansieht, die auch von der Regierung subventioniert werden, ist es für Hausbesitzer definitiv sinnvoll, über die Implementierung von alternativen Energiesystemen nachzudenken. Außerdem sind viele zukünftige Hausbesitzer, die sich gerade im Bauprozess befinden, viel sensibler gegenüber Themen wie Energiesparen durch gute Isolationen und andere Energiesparmöglichkeiten. Diese Investition zahlt sich normalerweise schnell aus. Optionen wie die Power Line Kommunikation scheinen den Hausbesitzern weniger bekannt zu sein, aber das Schöne an dem Konzept ist, dass es mit jeder Standard-Stromleitung funktioniert. Der IEEE 1901 Standard unterstützt die Integration von Systemen für Power Line Kommunikation. Der Standard wurde von mehr als hundert Unternehmen entwickelt und ermöglicht das Zusammenspiel von allen Geräten, die diese Norm erfüllen, sowie mit vielen anderen potentiellen PLC Haushaltsgeräten.Es würde also Sinn machen, sich die Vorteile, die das Konzept bietet, anzusehen und so Geld für Extrageräte oder Anschlüsse zu sparen.

 

 

Was denken Sie wie (intelligente) Häuser in 20 Jahren aussehen bzw. funktionieren werden?

 

Ich glaube, dass sich die Kommunikation zwischen Haushaltsgeräten und Energieversorgung sowie anderen Infrastrukturbereichen innerhalb der nächsten Jahre und Jahrzehnte weiterentwickeln wird. Außerdem werden Häuser bewusst energiesparend sein – durch die Bauart, durch die Energieerzeugung und -steuerung sowie durch eine Kontrolle der Geräte. Im Moment sind die Konzepte noch stark auf einzelne Häuser beschränkt, aber mit der Entwicklung von Smart Grids könnten Versorgungsunternehmen vergünstigte Stromtarife für Hausbesitzer anbieten, die Energie auch außerhalb der Stoßzeiten nutzen. Anstatt die Waschmaschine anzumachen, wenn die meisten Menschen von der Arbeit nach Hause kommen, könnte man z.B. die Waschmaschine darauf programmieren zu waschen, wenn die Nachfrage gering ist und der Energieanbieter vielleicht günstigere Preise anbietet. Ich stelle mir außerdem vor, dass Häuser zukünftig technologie-übergreifende Netzwerke besitzen, die im ganzen Haus untereinander und mit den Diensten des Netzwerkanbieters verbunden sind. So könnten zum Beispiel Dienstleistungen das externe Speichern von Solarenergie für eine ganze Gruppe von Häusern ermöglicht werden. durch die Nutzung von heterogenen PLC, Radio und Kabelnetzwerken. Das sind nur einige Beispiele, da wird uns noch gar nicht alle Möglichkeiten vorstellen können, die die Smart Grid-Entwicklung innerhalb der nächsten Jahre bieten wird.

 

Herr Faure, wir danken herzlich für dieses Gespräch.