Wohnen im Container

6 x 2,60 x 2,40 m - Wer sein Eigenheim mit diesen Maßen zu umschreiben imstande ist, kann es vermutlich auch an den Haken nehmen. Diese Abmessungen entsprechen nämlich genau denen eines Seecontainers. Und diese eignen sich tatsächlich zum Wohnen, wie unser kurioses Beispiel zeigt.

Kuriose Unterkunft: Mit dem richtigen Umbau eignen sich Seecontainer auch zum Wohnen.
Kuriose Unterkunft: Mit dem richtigen Umbau eignen sich Seecontainer auch zum Wohnen.

Der typische Wohncontainer (weitere Informationen dazu findet man zum Beispiel auf www.containerbasis.de/wohncontainer/), wie man ihn von Baustellen oder Notunterkünften her kennt, kommt erst einmal sehr unspektakulär daher. Er verfügt über das Notwendigste in Sachen Ausstattung bestehend aus Wohn- und Sanitärbereich sowie einem Fenster auf der Stirnseite. Die circa 13 m² Wohnfläche reichen als behelfsmäßige Unterkunft aber aus und zeigen, dass das Konzept funktioniert. Wer sich jedoch freiwillig auf diese Art des Wohnens einlässt, hat in der Regel höhere Ansprüche. Zahlreiche Architekten, Ingenieure und Tüftler haben sich dieser Herausforderung angenommen und dabei Erstaunliches in Sachen Design und Funktionalität zuwege gebracht!

Seecontainer: Vom Frachtterminal auf die grüne Wiese
Seecontainer sind auch ohne Inneneinrichtung bereits eine Erfolgsgeschichte. Dank ihrer Standardabmessungen und Robustheit findet man sie weltweit im Einsatz, um verschiedenste Güter auf unterschiedlichsten Wegen rund um die Welt zu transportieren. Zwei Containergrößen haben sich in besonderem Maße durchgesetzt, die 20-Fuß- und die 40-Fuß-Version. Ins metrische System übertragen: Die kürzere Variante misst in der Länge rund 6 m, die längere circa 12 m. Beide lassen sich beispielsweise nach dem Konzept Pocketcontainer für Wohnzwecke herrichten.
Darüber hinaus gibt es für beide Längen noch sogenannte High-Cube-Varianten mit einer Deckenhöhe von knapp 2,70 m. Die normale 20-Fuß-Variante kommt auf ein Raumvolumen von 33 m³. Wem ein einzelner Container zu wenig ist, kann natürlich auch mehrere davon kombinieren. Ob nebeneinander, übereinander oder quer aufgesetzt mit Balkon - Möglichkeiten gibt es genug und Raum für eigene kreative Ideen sowieso.
Die Kosten für einen Seecontainer liegen zwischen 1.500 und 3.000 Euro - je nach Zustand. Damit steht zumindest der "Rohbau" für die neue Bleibe zur Verfügung. Neue Container sind in Deutschland so gut wie gar nicht zu bekommen. Das liegt daran, dass die meisten Container in Asien hergestellt werden und auf ihrem Weg nach Deutschland bereits zum Transport von Fracht eingesetzt werden. Unternehmen, die sich auf den Verkauf von Containern spezialisiert haben, bieten meist zwei Qualitäten zum Kauf an: "wie neu" und "gebraucht". Für die Umrüstung zum Eigenheim sollte auf Container zurückgegriffen werden, die der Qualität "wie neu" zuzuordnen sind. Gebrauchte Container können bereits starke Beschädigungen aufweisen, die sich schwer oder gar nicht mehr vollständig reparieren lassen.

Vom Seecontainer zum Pocketcontainer
Seecontainer sind aber nicht dazu ausgelegt, dass man sich darin häuslich einrichtet. Es sind Frachtbehälter, die in Leichtbauweise konstruiert wurden und über eine dünne Außenhülle aus Stahl verfügen. Hier zeigt sich eine wesentliche Schwachstelle: die mangelnde Wärmedämmung. Ein Wohncontainer benötigt daher eine besonders effektive Wärmedämmung, um die Heizkosten nicht unnötig in die Höhe zu treiben und auch um den Wärmeschutzverordnungen genügen zu können. Die Dämmstärke sollte bei etwa 120 mm liegen. Fenster sind auch in normalen Häusern eine typische Schwachstelle, was die Wärmedämmung angeht. Im Container sollte daher auf eine Dreifachverglasung nicht verzichtet werden.
Bei einem 20-Fuß-Container sollte die Heizlast nun bei etwa 1000 Watt liegen. Sorgen Warmluftheizung samt Abluftanlage für ein angenehmes Klima im Container, ist dieser auch genehmigungsfähig nach der Energieeinsparverordnung von 2009. Hinzu kommen noch eine kleine Heizung mit 25 l-Warmwasserboiler und ein Wasserspeicher mit 250 l Fassungsvermögen. Die Stromversorgung wird über zwei Solarmodule sichergestellt, die zusammen eine 120-Ah-Speicherbatterie versorgen. Im Innern sorgen sparsame LED-Lampen für eine angenehme Beleuchtung. Der Sanitärbereich verfügt über Dusche, Waschbecken und WC - alle in modernem Design gehalten.
Die Kosten eines solchen Pocketcontainers liegen zwischen 6.000 und 9.000 Euro. Die Arbeiten können von ambitionierten Hobby-Handwerkern innerhalb von zwei Wochen zum Großteil selbst erledigt werden. Hierfür stehen detaillierte Bauanleitungen und Stücklisten im Netz zur Verfügung.

Mit dem Eigenheim unterwegs
Vor allem die 20-Fuß-Container sind hierzulande weit verbreitet, was auch deren Transport an nahezu jeden Ort vereinfacht. Ein LKW mit Seitenlader und Bordkran reicht hierfür bereits aus. Kommt dieser nicht bis zum endgültigen Stellplatz durch, muss ein Autokran eingesetzt werden. Die Kosten, die durch die Anlieferung beziehungsweise Versetzung des Containers entstehen, belaufen sich auf etwa 1,10 Euro pro Kilometer. Wird zusätzlich noch ein mobiler Kran benötigt, können hierfür zwischen 80 und 120 Euro pro Stunde veranschlagt werden.
Trotz der Tatsache, dass "nur" ein Container bewegt und kein Haus gebaut wird, sollten gewisse technische und formale Voraussetzungen erfüllt sein. Ganz ohne geht es eben auch hier nicht. Am Ankunftsort muss sichergestellt sein, dass der Untergrund tragfähig genug ist, um einer Punktbelastung von circa 1,5 Tonnen standzuhalten. Meist werden hierfür entsprechende Betonflächen oder Punktfundamente genutzt. Wer einen Seecontainer zu Wohnzwecken aufstellen möchte - egal, über welchen Zeitraum hinweg - sollte sich im Vorfeld mit der geltenden Landesbauordnung des jeweiligen Bundeslandes vertraut machen. Auch dem Bauamt sollte ein Besuch abgestattet werden, um die örtlichen Bestimmungen in Erfahrung bringen zu können.
Dieser Schritt ist unumgänglich, denn im Baurecht gelten auf regionaler Ebene unterschiedliche Bestimmungen. Wird ein Gebäude nur vorübergehend aufgestellt, gelten sie gemäß den Bauordnungen als untergeordnete Bauten beziehungsweise Behelfsbauten. Jetzt kommt es darauf an, wie groß der Container ist und in welchem Bundesland er aufgestellt werden soll. In Bayern sind beispielsweise Bauten mit bis zu 75 m³ an umbautem Raum im Innenbereich, also in erschlossenem Baugebiet, genehmigungsfrei. Im Außenbereich sind hingegen alle Bauten genehmigungspflichtig, unabhängig von ihrer Größe. Im Nachbarland Baden-Württemberg sieht man das etwas lockerer, denn hier können immerhin Gebäude bis 20 m³ genehmigungsfrei im Außenbereich aufgestellt werden.

 

Quelle: https://www.containerbasis.de/wohncontainer/