Baufinanzierung: Widerrufsklauseln überprüfen!

Immobiliendarlehensverträge, die im Zeitraum zwischen 2002 und 2010 abgeschlossen wurden, sollten auf fehlerhafte Widerrufsbelehrungen hin überprüft werden. Denn gemäß eines Urteils des Bundesgerichtshofs (BGH), sind bei mehr als der Hälfte der 10 Millionen Verträge für Baufinanzierung viele Widerrufsklauseln ungültig. Haben Sie tatsächlich das Recht zu kündigen, sollten Sie prüfen, ob sich eine Umschuldung wirtschaftlich lohnt, empfiehlt der Eigentümerverband Haus & Grund.

Kunden, die in den vergangenen Jahren einen Vertrag für Baufinanzierung, meist mit Zinsen zwischen 5 - 6 %, abgeschlossen haben, sollten diese nun überprüfen. Durch fehlerhafte Widerrufsklauseln im Vertrag haben sie die Möglichkeit umzuschulden und vom dauerhaft niedrigen Zinsniveau von teilweise weniger als 2 % zu profitieren, wie das Handelsblatt Online exklusiv berichtet. Den Banken drohe aufgrund des Urteils des BGH eine neue, massive Widerrufswelle. „Im Zeitraum zwischen 2002 und 2010 wurden mehr als zehn Millionen Immobiliendarlehensverträge abgeschlossen“, sagt Kai Warnecke, Hauptgeschäftsführer des Eigentümerverbands Haus & Grund gegenüber dem Handelsblatt. „Über die Hälfte davon dürften fehlerhafte Widerrufsbelehrungen enthalten.“

Wenn die Widerrufsklauseln in den Kreditverträgen nicht rechtens sind, können Kunden gratis aus ihren Verträgen raus, ohne dass eine Vorfälligkeitsentschädigung anfällt, heißt es weiter. Für die Mehrzahl der Immobilienbesitzer sei das ein gutes Geschäft. Im Volksmund habe sich bei fehlerhaften Verträgen daher bereits der Begriff „Widerrufsjoker“ eingebürgert. Der Verbandschef empfiehlt Immobilienbesitzern diesen Joker auch zu ziehen: „Wir möchten unseren Mitgliedern von Haus & Grund stets besten juristischen Rat anbieten“, sagt Warnecke dem Handelsblatt. Sein Verband habe daraufhin eine Kooperation mit den Kanzleien Baum, Reiter & Collegen und Gansel Rechtsanwälte vereinbart. „Beide Kanzleien zusammen haben bereits mehr als 3.000 Umschuldungen erfolgreich abgewickelt.“ Doch nicht nur Haus & Grund rät seinen 900.000 Mitgliedern die Verträge zu prüfen. Auch die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen zählte mehr als 5.500 Beratungen zum Widerruf im vergangenen Jahr. „Rund 75 % der geprüften Widerrufsbelehrungen sind fehlerhaft“, sagt Annabel Oelmann, Leiterin der Gruppe Finanzdienstleistungen dem Handelsblatt. Wer seinen Vertrag kündigen kann und wie die Banken auf die Kündigungen der Kunden reagieren, erklärt Handelsblatt Online in einem Interview mit dem Geschäftsführer Kai Warnecke vom Eigentümerverband Haus & Grund und einem ausführlichen Artikel zum Thema.