BAUPRAXIS

Wasserversorgung: Wasser marsch!

Bei der Installation von Trinkwasserversorgungs- sowie -entsorgungssystemen gilt es, vieles zu beachten, damit das „kühle Nass“ keimfrei, sauber und klar aus dem Hahn läuft. Die Herausforderungen dabei sind Hygiene und Energieeffizenz. In Deutschland verbraucht jeder Mensch etwa 120 Liter Wasser am Tag: zum Trinken, Waschen, Duschen und für die Toilettenspülung. Doch bis es aus den Armaturen sprudelt, hat es meist schon einen weiten Weg hinter sich. Der sollte frei von Keimen, Bakterien und Schadstoffen sein, damit es so im Haus ankommt, wie Sie es verwenden können - sauber und klar.

 

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Fotos: 1-2 Rehau, Dallmer, Mall

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"Das Wasser muss fließen!"

Die Wasserinstallation im Eigenheim ist absolute Expertensache. Warum das so ist und worauf man dabei achten muss, erklärt Ottmar Lunemann, Technischer Leiter Hausinstallationssysteme bei Rehau, im Exklusivinterview mit BAUIDEE online.

Ottmar Lunemann, Technischer Leiter Hausinstallationssysteme bei der Rehau AG + Co.
Ottmar Lunemann, Technischer Leiter Hausinstallationssysteme bei der Rehau AG + Co. (Foto: Rehau)

Worauf muss man bei der Wasserversorgung im Eigenheim achten?

Der Spruch „Wasser muss fließen“ ist oberstes Gebot! Was heißt dies für eine Trinkwasserinstallation? Für eine ordentliche Wasserübergabe ist der Wasserversorger zuständig. Die Wasserverteilung und Installation übernimmt der Betreiber/Nutzer einer Anlage bzw. eines Eigenheimes. Durch technisch geschickte Anordnung und Installation von Entnahmestellen, beispielsweise durch Ringleitungen (sh. Foto), wird sichergestellt, dass das Wasser kontinuierlich fließen kann und immer frisches Wasser bereitsteht. Stagnationsleitungen, die vor allem bei der Installation durch eine T-Stück-Verlegung entstehen, beinhalten kein frisches, sondern „abgestandenes“ Wasser.

 

Weiterhin ist darauf zu achten, dass keine sogenannten „Tot-Leitungen“ in Bereiche des Hauses gelegt werden, die für eine spätere Nutzung, beispielsweise durch Kinder oder Besucher, vorgesehen sind. Denn dort steht sehr oft das Wasser mehrere Tage und Wochen, manchmal Jahre, ohne ausgetauscht zu werden. Hier lauern die Gefahren, ohne dass diese durch den Verbraucher erkannt werden. In diesen Leitungssträngen wird das Wasser aber nicht nur schlecht, sondern es entsteht auch Korrosion, die zu einem Rohrbruch führen kann.

 

Wie lässt sich eine höchstmögliche Wasserqualität gewährleisten?

Neben dem Gebot „Wasser muss fließen“ sollte das Lebensmittel Trinkwasser auch ordentlich „verpackt“ sein. Hierbei ist darauf zu achten, dass nur zugelassene Produkte und Werkstoffe eingebaut werden. Eine DVGW-Registrierung bzw. Zulassung ist der Garant für in Deutschland zugelassene Werkstoffe in der Trinkwasserinstallation.

 

Welche Rolle spielen hierbei die unterschiedlichen Leitungstypen (Polyethylen, Polypropylen etc.)?

Solange eine Trinkwasserinstallation bestimmungsgemäß betrieben wird, zugelassene Systeme bzw. Werkstoffe genutzt werden und die Installation nach dem anerkannten Stand der Technik geplant und installiert wurde, entstehen durch unterschiedliche Materialien keine trinkwasserhygienischen Differenzen.

 

Warum sollte man mit der Installation der Trinkwasserleitungen unbedingt einen Fachbetrieb beauftragen?

Durch mikrobielle Belastungen im Trinkwasser, zum Beispiel durch. Legionellen, werden Krankheiten ausgelöst, die mitunter sogar zum Tode führen können. Insofern sollte eine Trinkwasserinstallation nicht anders behandelt werden als beispielsweise eine Gasinstallation. Und an diese legt im Normalfall auch kein Laie Hand an. Nur ein eingetragener Fachbetrieb hat die Erfahrung, eine fachgerechte Installation auszuführen und dabei alle Randbedingungen zu berücksichtigen. Dadurch ist eine normgerechte, zugelassene und sichere Installation sichergestellt.

 

Was sollten unsere Leser sonst noch zu diesem Thema wissen?

Die dargestellten Randbedingungen gelten nicht nur für Trinkwasserinstallationssysteme mit Rohren, Verbindern und Zubehör, sondern auch für die angrenzenden Armaturen und Sanitäreinrichtungsgegenstände. Hier sind ebenfalls die anerkannten Regeln der Technik und entsprechende Zulassungen für die Einbauten zu beachten. Mancher „Billiganbieter“ erfüllt die geforderten Bedingungen nicht und die Installation könnte eventuell durch das Wasserversorgungsunternehmen nach Fertigstellung nicht abgenommen bzw. zugelassen werden. Zudem verursachen einige nicht zugelassene Materialien in der Trinkwasserinstallation unter Umständen Beeinträchtigungen des Wassers und Schäden an der Installation, die wir unbedingt vermeiden wollen.

 

Herr Lunemann, wir danken herzlich für das Gespräch.