BAUPRAXIS

Mehr Informationen zum Thema - Schimmel: Gefährliche Sporen

DHBV-Expertin Dr. Constanze Messal (Foto: DHBV)
DHBV-Expertin Dr. Constanze Messal (Foto: DHBV)

Experten-Interview: "Schimmelpilz im Eigenheim" mit Dr. Constanze Messal vom Deutschen Holz- und Bautenschutzverband (DHBV).

 

Frau Dr. Messal, was für Auswirkungen können feuchte Wände auf den Gesundheitszustand der Bewohner haben?

 

Feuchte Wände sind die Hauptursache für Schimmelpilzwachstum in Innenräumen. Schimmelpilze können sehr unterschiedliche Auswirkungen auf den Gesundheitszustand der Bewohner haben. Die Ausprägung der Symptome ist sehr individuell. Grundsätzlich unterscheiden wir dabei Infektionen, Allergien und Intoxikationen. Infektionen durch Schimmelpilze sind selten und treten eher bei immungeschwächten Personen auf, also Menschen, die sich z.B. einer Chemotherapie unterziehen müssen, an HIV erkrankt sind oder transplantiert wurden. Intoxikationen, sprich Vergiftungen durch Pilztoxine, sind ebenfalls selten, da sie einen intensiven Kontakt mit dem Toxin z.B. über die Haut oder die Nahrung erfordern. Die wohl häufigste Auswirkung auf den Bewohner dürften Allergien und Reizungen durch Schimmelpilzbelastungen sein. Sie betreffen rund 5-10% der Bevölkerung. Typische Symptome sind allergisches Asthma, Brennen und Nässen der Schleimhäute, Entzündungsreaktionen und vieles mehr. Eine Disposition kann angeboren sein, aber auch durch fortlaufenden Kontakt mit Schimmelpilzen erworben werden.

 

 

Was ist zu tun, wenn man feuchte Wände entdeckt?

 

Zunächst sollte überprüft werden, ob es einen aktuellen bzw. akuten Grund für die Feuchtigkeit gibt. Ist Wasser eingedrungen, weil unbemerkt ein Fenster aufstand? Ist die Waschmaschine defekt oder im Stockwerk darüber eine Badewanne übergelaufen? Darauf sollte und kann schnell reagiert werden: Wasser aufwischen, feuchte Möbel aus dem geschädigten Bereich entfernen und sofort mit dem technischen Trocknen beginnen. Anders stellt sich die Situation dar, wenn ein Fäkalschaden vorliegt oder ein Hochwasser für den Feuchteschaden verantwortlich ist. Dann können gesundheitsschädigende Keime oder ausgelaufene Chemikalien in den Baukörper eingedrungen sein. In diesem Fall sollte ein Fachmann überprüfen, ob sofort eine technische Trocknung eingeleitet werden kann oder erst Dekontaminationsmaßnahmen durchzuführen sind. Bei einem akuten Feuchteschaden kann durch die sofortige Einleitung von Maßnahmen Schimmelpilzwachstum verhindert werden! Daher muss schnell reagiert und Hilfe angefordert werden! Ganz häufig wird aber zuerst der Schimmelbefall festgestellt und dann im Umkehrschluss auf die feuchte Wand geschlossen. Dann sind kurzfristig Maßnahmen zu ergreifen, um zu verhindern, dass sich eine größere Belastung für die Bewohner ergibt oder der Schimmelschaden ausbreitet. So sollte man stark befallene Räume nicht mehr nutzen, ggfs. die Befälle mit Folien abkleben oder mit einem Sporenbinder festigen. Nicht befallene Gegenstände entfernen und abreinigen, und wenn notwendig, sich von Interieur trennen, das befallen aber nicht mehr zu retten ist. Die Ursache für einen derartigen latenten Feuchteeintrag kann dann in der Regel nur noch durch einen Fachmann ermittelt werden.

 

 

Welche Ursachen kann das haben?

 

Die Ursachen der beiden ersten Schadensbilder liegen auf der Hand. Da sind es meist plötzlich auftretende Undichtigkeiten, Naturgewalten oder kleine Unfälle im Haushalt. Latente Feuchteschäden können sowohl in der Bausubstanz als auch im Nutzerverhalten bedingt sein. Bauliche Mängel sind häufig im unzureichenden Wärmeschutz zu suchen, aber auch Wärmebrücken und fehlende oder defekte Abdichtung von Wänden, Fundament oder Fassade gegen eindringende Feuchtigkeit sind oftmals schadensursächlich. Aber auch das Nutzerverhalten kann feuchte Wände verursachen, nämlich dann, wenn nicht ausreichend gelüftet wird oder ein zu enge Möblierung in ungünstigen Bereichen den Luftaustausch behindert. Dann kommt es zu einer Anreicherung von Luftfeuchtigkeit im Innenraum mit der Konsequenz, dass die Baustoffe aufgrund der hohen Oberflächefeuchte bis hin zur Kondensatbildung bestens für Schimmelpilzwachstum konditioniert sind.

 

 

Welche Folgen kann das für die Bausubstanz haben?

 

Ein erhöhter Eintrag von Feuchtigkeit in der Bausubstanz verändert die Eigenschaften der Baustoffe nachhaltig. So dämmen feuchte Wände deutlich schlechter als trockene. Bei Schäden im Fassaden- und Bodenbereich können bauschädigende Salze eindringen, die Mauerwerk und Putze schädigen. Bekanntes Schadensbild sind hierbei Frost- und Salzsprengungen. Aber auch Schimmelpilze und andere Mikroorganismen schädigen bei ungestörtem Befall den Baustoff, sie können korrosiv wirken. Dann spricht man von einer mikrobiellen Materialzerstörung. Auch hier gilt: je früher der Schaden festgestellt wird, umso besser ist es um die Bausubstanz bestellt.

 

 

Ab wann ist so etwas bedenklich?

 

Hier kann man sich an den Leitfäden des Umweltbundesamtes orientieren. Kleine Schäden mit einer Fläche <0,25 cm² gelten als unbedenklich bzw. „normal“, denn Mikroorganismen sind ein natürlicher und nützlicher Bestandteil unserer Umwelt. Hier kann der Betroffene selbst aktiv werden und den Befall entfernen. Bitte keine Hausmittelchen nehmen, sondern im gutsortierten Fachmarkt nach geeigneten Produkten fragen. Und, auch wenn der Befall ganz harmlos aussieht, auf Schutzmaßnahmen nicht verzichten! Auch hier hilft der Fachmarkt mit Handschuhen und Atemschutz weiter. Größere Schäden, insbesondere größer als 0,5cm² gelten als bedenklich und sollten umgehend beseitigt werden. Das sollte dann aber durch eine Fachfirma durchgeführt werden, da dies meist mit größerem Materialabtrag und weiteren baulichen Maßnahmen verbunden ist. Die hier anzuwendenden Vorsorgemaßnahmen zum Schutz der Bewohner, Handwerker und der Umgebung können nur von erfahrenen und sachkundigen Bauprofis eingeleitet werden. Schließlich kann dieser auch die Ursache des Feuchteschadens erkennen und beseitigen (lassen).

 

 

Was ist zu tun, wenn auch Holzteile von der Feuchtigkeit befallen sind? Welche Folgen kann das haben bzw. welche Maßnahmen sind in diesem Fall zu ergreifen?

 

Holz ist ein organischer Baustoff und im feuchten Zustand somit besonders attraktiv für Schimmelbefall, Bakterien und holzzerstörende Pilze. Dabei kann Holz eine gewisse Feuchtigkeit aufnehmen, ohne dass ein Schaden auftritt, aber oberhalb kritischer Feuchtewerte können Mikroorganismen großen Schaden anrichten. Während Schimmelpilze nur oberflächlich am Holz siedeln und zu den schon beschriebenen hygienischen Problemen führen, bauen holzzerstörende Pilze die Holzbestandteile ab, was zum Verlust der Stabilität führen kann. Daher muss auch feuchtes, aber noch befallsfreies Holz behandelt werden. Welche Maßnahme hierbei geeignet ist, kann am besten der sachkundige Holzschützer feststellen. Dazu muss er das feuchte bzw. befallene Bauteil hinsichtlich erkennbarer Schäden untersuchen und die Schadorganismen identifizieren. In jedem Fall müssen Holzbauteile in das Sanierungskonzept miteinbezogen werden. Auch bei Schimmelpilzbefall!

 

 

Wo findet man professionelle Hilfe?

 

Wer Hilfe braucht, sollte sich davon überzeugen, dass er einen Fachbetrieb mit den anstehenden Aufgaben betraut. Dabei ist wichtig, dass die Firmen ihre Sachkunde nachweisen können. Wer die „Sachkunde für Holzschutz am Bau“ bzw. die „Sachkunde für Schimmelpilzbeseitigung in Gebäuden“ vorweisen kann, verfügt über fundierte Kenntnisse und kann professionell und handwerklich einwandfrei Feuchte- und Schimmelschäden an der Bausubstanz beseitigen. Solche nachweislich fachkundigen Firmen und Sachverständige findet man im Internet unter www.DHBV.de in der Postleitzahlensuche.

 

 

Welche Tipps können Sie unseren Lesern geben, die ein älteres Haus erwerben?

 

Wer ein älteres Haus erwirbt, muss sich darüber im Klaren sein, dass er ein Haus mit Vergangenheit bekommt. Es wird so manche defekte Waschmaschine oder Rohrbruch hinter sich haben und auch bautechnisch nicht mehr auf dem neusten Stand sein. Der Wärmeschutz kann nicht ausreichend sein, die Abdichtung des Kellers undicht und die eine oder andere Sanierungsmaßnahme hätte auch besser von einem Fachmann durchgeführt werden sollen. Das ist meist von außen nicht zu sehen. Daher sollte man sich im Vorfeld sehr genau nach der Anamnese des Hauses erkundigen und mit einem Sachverständigen die Bausubstanz zumindest stichprobenartig prüfen lassen. Wer bei der Besichtigung modrige Gerüche wahrnimmt, sollte hellhörig werden und nachfragen. Frauen nehmen diese Gerüche übrigens deutlich besser wahr als Männer, also für weibliche Begleitung sorgen. Auch mal beim Vormieter nachhaken. Schimmelpilzallergiker sollten wissen, dass ältere und unsanierte Bausubstanz naturgemäß mit einer höheren Hintergrundkonzentration an Mikroorganismen belastet ist als ein Neubau oder eine Totalsanierung. 

 

Frau Dr. Messal, wir danken herzlich für das Gespräch.